von Veronika Fehle
 Die Vorarlberger Kabarettgruppe „Die Spechte“nennt ihr neues Programm schlicht „Opus VI“.

 

Was den Specht mit der Wühlmaus verbindet, ist sein tierischer Sinn für Politkabarett.

RANKWEIL. Eigentlich ist es ja nicht fair, an den Anfang den Vergleich mit der legendären Vorarlberger Kabaretttruppe der „Wühlmäuse“ um Heiner Linder zu stellen. Aber im Fall der „Spechte“ darf man das. Warum? Weil sie erstens das gleiche Genre, nämlich das politische Kabarett, bedienen; weil sie zweitens den Vergleich nicht scheuen müssen; weil sie nämlich drittens ihre tierischen Vorgänger nicht kopieren, sondern ihr ganz eigenes Profil haben. Und das macht Spaß. Zumindest zu 99 Prozent, denn manchmal ist ihr Witz so ungeschönt treffend, dass man kurzfristig vor den Tatsachen zurückschreckt.

So war schon nach den ersten fünf Minuten des neuen „Spechte“-Programms im Alten Kino Rankweil klar, dass es sich hier um Kabarett handelt, wie man es sich nur wünschen kann. Ihre Programme nummerieren die „Spechte“ übrigens einfach durch, so dass man mittlerweile bei „Opus VI“ angekommen ist. Warum, na, weil die Päpste ja auch nummeriert seien und was die Päpste können, könnten sie schon lange.

Werden die Spechte gefragt, warum sie sich denn nur alle paar Jahre wieder auf der Bühne zurückmelden, dann lautet die Antwort ganz einfach, dass das schon so passe, denn das sei ja auch das Tempo, in dem sich politisch im Land etwas vorwärtsbewege. Politik gab es dann auch, zum Beispiel in einer herrlichen Bundesheer-Solonummer von Martin Salzmann, in der der Verlust der schlagkräftigsten Geheimwaffe aller Zeiten, der Militärmusik nämlich, beweint wird, und in der vorgeschlagen wird, zur Grenzsicherung im Osten Gulaschkanonen und –kanoninnen zum Einsatz zu bringen.

Die Absolute im Eimer

Herrlich auch, wenn Freddy Willinger und Martin Salzmann als Markus Wallner und Herbert Sausgruber im Duo das „Loch im Eimer“ besingen, nur handelt es sich in ihrem Fall nicht um ein Loch im Eimer, sondern um die Absolute, die im Eimer ist. Angelika Kerschaggl-Linder stimmt dann wiederum auch eher ernstere Nummern an, zum Beispiel jene über politische Interessensgruppen, die sich sehr gern in Kellern und noch lieber unterm Hakenkreuzwimpel treffen.

Genauso schnell wechselt sie dann aber auch wieder in die Rolle der überaus engagierten Reporterin, die live aus dem Basislager vom gemeinsamen Aufstieg der Regierung zum Glatthorn berichtet, mit entsprechenden politischen Seilschaften, versteht sich.

Musikalisch immer aufs Feinste begleitet von Manfred Baumgartner, der beweist, dass man gleichzeitig mittendrin im kabarettistischen Bühnengeschehen sein kann, während man kräftig in die Tasten greift.

Eine rundum gelungene Sache also, gerade weil das „Spechte“-Programm nicht auf Ecken und Kanten verzichtet. Das quittierte das Premierenpublikum im Rankweiler Alten Kino mit Lachern und Applaus. Wenn das so weitergeht, dann hören „Die Spechte“ noch lange nicht auf, den politischen Wald auf kabarettreife Leistungen abzuklopfen. Zum Glück, möchte man sagen.

 „Die Spechte“ sind 
mit „Opus VI“ noch bis 12. Dezember im Alten Kino Rankweil zu sehen